《Vera - Ein Abentuer ins Ungewisse [German]》Kapitel 72: Schulden
Advertisement
Als ich aufwache, fühle ich mich so ausgeruht wie schon lange nicht mehr. Das ist jedoch nicht die einzige Änderung, die mir auffällt. Mein Kopf fühlt sich irgendwie klarer an und die Farben wirken ebenfalls detaillierter. Aus reiner Neugierde wirke ich einen Rindenschild. Tatsächlich fällt es mir nun leichter, den Zauber zu bewegen. Ob diese Veränderungen ein Nebeneffekt meiner Spezialisierung sind? Schwer zu sagen. Es könnte genauso gut an meinem neuen Rang liegen. Womit ich prompt an meine Privilegien denken muss und eine Grimasse ziehe. Immerhin hat das System seine Hände von meinen Attributen gelassen. Auch nicht mehr an Levelanforderungen gebunden zu sein, ist ganz nett. Dafür aber defacto nur noch Kreaturen mit verhältnismäßig hohem Level jagen zu können, wird mir einen gewaltigen Knüppel zwischen die Beine werfen.
Um im zweiten Rang voranzukommen, benötigt man fünfmal so viel Erfahrung wie in den ersten fünfzig Level. Kleinvieh macht auch Mist ist ein Sprichwort, welches für Abenteuer nicht zutreffender sein könnte. Obwohl auch sie für eine erlegte Level 40 Kreatur wesentlich weniger Erfahrung bekommen, können sich solch kleine Beträge über Jahre gesehen dennoch lohnen. Sich Lebewesen mit einem hohen Level entgegenzustellen, ist auch immer mit einem größeren Risiko verbunden. Warum also sein Leben aufs Spiel setzen, wenn man mit der sicheren Methode ebenfalls ans Ziel kommt? Klar dauert dieser Weg länger, aber das Ganze ist ja auch kein Wettrennen. Ich selbst kann solch einen Plan jedenfalls vergessen. Spätestens mit Level 10 werden Rang 1 Kreaturen vermutlich den Aufwand nicht mehr wert sein. Trotzdem ist das im Moment kein Grund den Kopf hängen zu lassen. Ob ich mit diesem Privileg klarkommen werde oder nicht, wird die Zukunft zeigen. Bis dahin muss ich mich erstmal um wichtigere Dinge kümmern.
“Glückwunsch zum Erreichen des zweiten Ranges”, sind die Worte, mit denen mich Marco begrüßt. “Danke, ohne die Sira-Gilde wäre es nicht möglich gewesen.” “Wohl wahr, aber am Ende des Tages ist es dennoch deiner eigenen Leistung zu verdanken, dass du es in nicht einmal zwei Jahren so weit gebracht hast.” Der Bogenschütze erkundigt sich anschließend über mein körperliches Wohlbefinden. Meine Gefühle der Euphorie nach dem Aufstieg in den nächsten Rang sind dem Gildenanführer zufolge völlig normal. Nach etwa einem Tag hat sich der Körper jedoch an die Veränderungen gewöhnt und der Rausch verfliegt. Dennoch dient das Versprechen, dieses Gefühl wieder erleben zu können, vielen als Motivation auf ihrem weiteren Weg.
Meine verbesserte Sehkraft gehört allerdings zu den Änderungen, die vermutlich permanenter Natur sind. Das System hat nicht nur meinen Körper und Geist auf ein neues Level befördert, sondern im gleichen Schritt auch noch meine Augen modifiziert. Im Spiegel betrachtet wirken sie nun ein Stück weit unmenschlich. Statt einem eher langweilen Braun sind meine Pupillen jetzt von einem saftig leuchtenden Grün umgeben. Auch verläuft der Farbton nun nicht mehr kreisförmig, sondern ist eher gezackt wie ein Ahornblatt. Ein winziges Detail, welches man meiner Meinung nach ruhig mal in der Beschreibung einer Spezialisierung hätte erwähnen können. Allerdings müsste man dann nicht mehr die Hälfte der Neuerungen selbst herausfinden und das wäre nun wirklich langweilig.
Advertisement
Ich bin jetzt schon die Gespräche leid, welche diesbezüglich nun auf mich zukommen werden. Das “Mensch sein” im Verlauf der Ränge so ein Stück weit aufgeben zu müssen, ist in der Öffentlichkeit ein Tabuthema. Trotzdem ist es laut Marco ab dem dritten Rang gängige Praxis. Übermenschliche Eigenschaften und Fertigkeiten sind schließlich unerreichbar, solange man selbst kein Übermensch ist. Dass ich bereits von solchen Modifizierungen betroffen bin, liegt höchstwahrscheinlich an meiner seltenen Spezialisierung. Sichtbare Veränderungen oder schlimmer noch, die Änderung der eigenen Rasse sind dennoch eher ungern gesehen. Anders auszusehen, wird einem schnell als Unvermögen bei seiner Auswahl der Spezialisierung ausgelegt. Vor allem der Adel und die Kirche präferieren "normale'' Leute bei ihren Aufträgen.
Zum Glück muss ich mir um solch einen Unsinn erstmal keine Gedanken machen. Identifizieren bezeichnet mich immer noch als Mensch. Des Weiteren ist den Mitgliedern der Sira-Gilde die Herkunft, die Farbe deiner Haut, Augen oder Haare, sowie deiner Anzahl an Fingern und Zehen völlig egal. Solange du ein Mensch bist, Marco keine Probleme machst und deine Arbeit erledigst, ist man hier herzlichst willkommen. Was uns direkt zur Kernfrage dieser Unterhaltung führt: "Wie viel genau schulde ich dir und der Gilde?”
Marco studiert mich für einen Augenblick, bevor er aus einer der Schubladen ein Bündel Papier zaubert: “Wenn wir alles zusammenrechnen, dann hat mich deine Unterstützung in den letzten Monaten rund 804.000 Sil gekostet.” Auch wenn ich mich mental bereits auf eine gigantische Summe vorbereitet hatte, weicht mir trotzdem die Farbe aus dem Gesicht. Über vier Seiten hinweg sind sämtliche Ausgaben für meine Wenigkeit notiert. Alleine die normalen Manatränke schlagen mit etwa 585.000 Sil zu buche. Die naturverbundenen Verwandten sind nochmal 121.000 Sil. Wer fairerweise solche Phiolen über einen Zeitraum von etwas mehr als einem Monat wie andere Leute normales Wasser konsumiert, braucht sich am Ende nicht über die Kosten wundern. Der Rest sind die Reservierungen für den großen Marsch von Paul, Kurt und mir, die Verpflegung für unsere Zeit im Wimmerwald, sowie Ausgleichskosten, weil sich meine Kollegen statt um ihre eigentliche Arbeit mit mir herumschlagen mussten.
“Ich hoffe du verstehst nun ein wenig besser, warum sich normalerweise nur wohlhabende Leute mit dem Hüten und Pflegen von jungen Magiern beschäftigen”, erklärt mir Marco. “Für das gleiche Geld könnte ich mehrere Abenteuer anderer Klassen den zweiten Rang finanzieren. Ein Abweichler zu sein hat sicherlich ebenfalls zu deinem Schuldenberg beigetragen”, mutmaßt der Bogenschütze. “Bereust du es, mich rekrutiert zu haben?”, frage ich. Der Anführer der Sira-Gilde winkt ab: “Das einen Rang 1 Magier zu betreuen teuer sein würde, war mir von Anfang an klar. Trotzdem muss ich auch zugeben, dass ich die Kosten ein wenig unterschätzt habe. Mehrere meiner Projekte liegen dank dir derzeit auf Eis.”
Advertisement
Ich entschuldige mich bei Marco für die Umstände, doch dieser will davon nichts hören: “Sprechen wir als nächstes über deinen bestehenden Vertrag. Mit dem Aufstieg in den nächsten Rang ist es dein gutes Recht, die Konditionen neu zu verhandeln. Aktuell zahlt dir die Gilde 30 Sil die Woche, sowie 25% jeder Missionsbelohnung. Mein Angebot wären nun 180 Sil die Woche und 50% jeder Missionsbelohnung.” Mir fallen fast die Augen raus: “Ist das nicht ein wenig viel?” “Für einen vielversprechenden Magier mit einer seltenen Spezialisierung ist das ehrlich gesagt ziemlich miserabel”, kontert der Bogenschütze. “Unter 250 Sil die Woche kannst du es vergessen, einen anständigen Rang 2 Magier zu rekrutieren. Auch das Verhältnis von Sil, welches du nach Abschluss eines Auftrages erhältst, wäre normalerweise zu deinem Vorteil. Jedoch kann ich dir unter Berücksichtigung deiner finanziellen Situation kein besseres Angebot machen. Die 50% jeder kommenden Mission werden mit deinen Schulden verrechnet.”
Entgegen meiner Erwartung erwähnt Marco mit keiner Silbe die Verlängerung unseres Vertrages. Sein Plan ist es, in anderthalb Jahren die Situation neu zu bewerten. Schließlich weiß weder er noch ich, zu was meine Naturgestalt-Spezialisierung wirklich fähig ist. Im weiteren Verlauf der Unterhaltung bekomme ich noch meinen nächsten Auftrag zugeteilt und verlasse anschließend das Büro des Gildenanführers.
Das lief doch insgesamt gar nicht so schlecht. Klar wird es eine ganze Weile dauern, bis ich meinen Schuldenberg abgearbeitet habe. Das mir Marco allerdings nicht direkt Feuer unterm Hintern macht, ist eine gute Sache. Andere Menschen in seiner Position hätten ihre Möglichkeiten eventuell mehr ausgereizt. In der Sira-Gilde mag es zwar manchmal ein wenig ruppig zugehen, aber über einen schlechten Umgang miteinander kann ich mich nicht beschweren.
Bevor ich mich aber um meinen nächsten Auftrag kümmere, steht morgen Abend erstmal eine Feier an. Anlass der Party ist Sophies Rangaufstieg. Die Kämpferin hat es erfolgreich in den dritten Rang geschafft und ist gestern nach Torfbergen zurückgekehrt. Für Viele keine wirkliche Überraschung. Das Talent der Frau ist unumstritten. Wie ich später aber erfahre, bedeutet die Feier auch das Ende ihrer Mitgliedschaft in der Gilde. Statt die örtlichen Bewohner der Wildnis weiter zu terrorisieren, wird sie nach Hause zurückkehren. Da ihre Familie im Militär tätig ist, wird sie vermutlich dann im Dienste des Hochadels weiter ihr Unwesen treiben. Statt uns aber von dem baldigen Abschied runterziehen zu lassen, genießen alle Beteiligten die Party in vollen Zügen. Es wird gelacht, gesungen, getanzt und getrunken, bis schließlich die Sonne wieder über Torfbergen aufgeht.
Am nächsten Tag begleiten eine kleine Gruppe und ich Sophie bis zum Stadttor. Es werden Hände geschüttelt und letzte Worte ausgetauscht: “So trennen sich unsere Wege erst einmal”, sagt Sophie mit einem Grinsen im Gesicht zu mir. Die Kämpferin hat sich äußerlich durch den Rangaufstieg kaum verändert. Möglicherweise sieht ihr Körper noch trainierter aus als vorher, aber das kann auch meine Einbildung sein. Trotzdem werde ich den Eindruck nicht los, dass Sophie vor lauter Energie kaum ruhig halten kann. Fast wie ein Wirbelsturm, der sich zügeln muss, um nicht alles in seiner Umgebung zu zerstören. So verrückt die Frau mit den kurzen brauchen Haaren und der kleinen Stupsnase ist, ich werde sie dennoch vermissen: “Wir werden uns also wiedersehen?”, frage ich. “Irgendwann bestimmt”, wobei sie mit den Schultern zuckt, “ immerhin bist du mir noch einen Gefallen schuldig.'' Ich ziehe eine Grimasse, die wiederum einen kurzen Lachanfall der Gruppe nach sich zieht. “Treib es nicht zu bunt Torben. Ich habe zwar keine Zweifel daran, dass du in den nächsten Wochen und Monaten ordentlich Wellen schlagen wirst, aber du solltest dich dennoch nicht überschätzen. Du musst nur einmal dem falschen Lebewesen auf die Füße pinkeln und das kann es gewesen sein. Später zu erfahren, dass es dich in irgendeinem Waldstück dahingerafft hat, wäre echt beschissen.” Ich schenke der Kämpferin ein Lächeln: “Ich werde mich zusammenreißen.”
Einen freundschaftlichen Handschlag später schultert die Kämpferin schließlich ihr Gepäck und schreitet winkend durch das Stadttor.
Advertisement
- In Serial24 Chapters
Martial Road
Keith is a young prince born in a royal bloodline. The cut throat fight for succession keeps growing within his country, while the relationships between countries keep worsening. Keith falls victim to a plot created by one of his brothers, which eventually results in him being sent away from his homeland at young age.He is to be accepted by a magic academy in a hostile country. Keith and his protector journey to the academy, where he starts discovering things, making him shock the world and himself with his ways of fighting.As he slowly figures out the path to gain the power he needs to take revenge, his body and character start to change.
8 181 - In Serial52 Chapters
Atone Online
In a fully immersive digital world where reputation is the most important stat of all, one lone prisoner fights to survive. His identity has been stripped away. His body, like his reputation, lies in ruins. There can be no turning back for the lowly scrap of personaware known only as Shade. In a world where it's easier to be the bad guy, his path will be fraught with warriors, demons, and necromancers, all standing between him and the greatest prize of all… redemption. Will Shade atone for his sins? Or will temptation win out over redemption, molding him into the greatest threat the ‘game’ has ever seen… Atone Online is my WIP LitRPG novel, and the first book I have ever published directly to the web as a serial. I’ll be sharing the unedited story online as I write, before eventually having the whole book edited for publishing on Amazon. So in the meantime, this is your chance to log into the world of Atone Online for free. Hope you enjoy. ©Aiden Steele
8 167 - In Serial31 Chapters
Dark Lands: The Exile and the Prince
A short time has passed since the siege on Ruined Home has been lifted and as the survivors of the battered encampment slowly begin to rebuild their new home, Aurelius has returned from a failed troll hunt. Yet despite the battered prince’s failures, he has set into motion a series of events that will forever change his life. Meanwhile, Iskra has found herself at the helm of a far more favorable position and begins to forge a path that will lead her towards the first steps of a long road of revenge. Author’s Note: This is the direct sequel to the first Dark Lands story and as time goes on I will update the synopsis to help bring further detail about the story. For now however, I hope you all enjoy what is about to be written. Eight Years Arc: Eight Years have passed since Aurelius and Iskra have first met one another, and a lot has changed since then. The vast majority of Aurelius’ family has been slaughtered by the hands of none other than his oldest brother, a man that the golden haired prince had spent the past several years to hunt down and kill all in the name of vengeance. Upon his return, the kin-slaying prince has found that some things have changed during his absence. Iskra, his first wife and love of his life, has proclaimed that she no longer cares about the events that have been unfolding in her former homeland for the last several years and states that she is solely focused on raising her children. Yet it is through learning that the High Elves have taken a keen interest in the once magically-absent lands of Ranislava that Aurelius decides that action must be taken and thus he journeys south to learn more about what his distant kin are up to in such a backwater region of the world. Who he will meet and what he will do will turn the tides of fate, but in whose favor is something that only the Gods will know. (The Eight Years arc is something that was designed to be written in a way where people don't have to feel the need to go back to the very beginning of the Dark Lands story in order to know what is going on or who the characters are.)
8 182 - In Serial52 Chapters
The Three WolfMates
Liam Scott a 17 year old Hybrid, who lives in the WestRidge Moon pack goes through a bullying situation.When things became unbearable, his family moves to a new pack to start a better life. There he finds his mates and a group of wonderful friends. With his 18th birthday around the corner his life is about to change dramatically.
8 77 - In Serial3 Chapters
Thai BL Novel
BL Novels that I've stored in my collection + finished reading
8 201 - In Serial20 Chapters
If I Fall // Fantastic Beasts
"My biggest mistake was not falling for you. It was me thinking you had fallen for me too"- Fantastic Beasts and Where to Find Them -(Book one - First Priority)(Book two - If I Fall)(Book three - Dear Happy)>> obviously I don't anything involving Fantastic Beasts. All right reserved to JK Rowling and all that good stuff
8 204

