《Vera - Ein Abentuer ins Ungewisse [German]》Kapitel 53 Verstecken und Suchen
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Soll ich jetzt Freudentränen darüber vergießen, dass mich das System doch noch mit einer Mission beehrt? Nicht dass das meine Situation irgendwie verbessern würde, aber immerhin wird das Risiko jetzt entsprechend entlohnt.
Ich lese den Text mehrmals sorgfältig durch. Das System formuliert seine Aufträge nicht zufällig. Bereits in der Mission mit den Waldfeen hat sich gezeigt, dass aufmerksames Lesen den Unterschied machen kann. Der Text erwähnt mit keiner Silbe einen Kampf. Stattdessen ist von verstecken oder suchen die Rede. Ich muss mich also offenbar entscheiden und kann nicht beide Aufgaben erfüllen. Verstecken scheint hierbei der “einfachere” Weg zu sein, da die Belohnung insgesamt geringer ist. Doch wo soll man sich bitte in einem Wald voller hungriger Spinnen verstecken? Auch warum ich mich ausgerechnet bis zum Anbruch der Nacht verstecken soll, erschließt sich mir noch nicht so ganz.
Bevor ich jedoch weiter über den Rest grübeln kann, kommt Bewegung in die Gruppe von Abenteurern. Offenbar geht es jeden Moment los. Mein Blick schweift noch einmal zur lilafarbenen Rauchsäule. Das Signal scheint nicht allzu weit weg zu sein. Leider werden uns die Einheimischen den Weg dahin alles andere als leicht machen. Ich wende mich an Sophie, um die Details ihrer Mission zu erfragen. Der Kämpferin zufolge gilt es im ersten Schritt darum, das Rauchsignal in unter zwanzig Minuten zu erreichen. Für jeden Abenteurer in Not, welcher Camp Sieben dann wiederum lebend betritt, gibt es zusätzliche Erfahrungspunkte und Sil. Allerdings fällt es auch Sophie schwer einzuschätzen, ob das nun viel oder wenig Zeit ist. Es hängt ganz davon ab, wie viele Tierchen uns konkret ans Leder wollen. Je früher man allerdings in solchen Szenarien eintrifft, desto höher ist die generelle Überlebenschance.
Das Tor öffnet sich und wir stürmen den schmalen Pfad entlang. Danach formt sich schnell ein tödlicher Klumpen an Abenteurern. Außer mir sind alle Anwesenden mit einer Nahkampfwaffe ausgestattet. Köcher und Bögen bekommt man im Wimmerwald nur selten zu Gesicht. Falls sich Vertreter der Fernkämpferklasse hier aufhalten, dann sind es fast immer Fallensteller. Doch die Effektivität eines Schwertes oder einer Axt gegen die Einheimischen ist schwierig zu überbieten. Die ersten achtbeinigen Kreaturen lassen nicht lange auf sich warten und werden einfach nebenbei abgefertigt.
Obwohl bestimmt einige der dreißig Mann starken Gruppe über Fortbewegungs-Fertigkeiten verfügen, prescht keiner alleine voran. Wer solche Manöver fährt, überlebt wahrscheinlich nicht lange in dieser Umgebung. Der Schutz der Gruppe überwiegt jegliche, kurzatmige Gier nach Erfahrung. Denn wenn der Wimmerwald irgendetwas zu bieten hat, dann ist es eine nahezu endlose große Anzahl an wütenden Geschöpfen, die einem ans Leder wollen.
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Zahlreiche Rufe hallen durch den Wald. Es wirkt fast so, als wäre die Natur selbst sauer auf uns. Doch noch scheinen die Abenteurer keine Probleme zu haben. Hin und wieder sehe ich mal aus den Augenwinkeln eine Fertigkeit aufblitzen, jedoch bekomme ich in der Mitte der Gruppe nicht allzu viel mit. Sophie läuft direkt neben mir. Ihr Großschwert hat bisher noch keinen Tropfen Blut gesehen. Ich kann mir gut vorstellen, wie sehr es der Frau in den Finger jucken muss. Doch wir beide wissen, dass ihre Energie möglicherweise später dringender benötigt wird.
Im straffen Laufschritt geht es vorwärts. Eine knappe Viertelstunde bei diesem Tempo sollte zwar hart aber machbar sein. Allerdings fehlt mir so der Atem, um Sophie von meiner Mission zu berichten.
Okay, vielleicht sollte ich die Aufträge aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Die Mission verlangt eine klare Entscheidung von mir. Ansonsten hätte der Titel ja auch genauso gut “Verstecken und Suchen” lauten können. Was muss denn konkret passieren, damit die jeweilige Aufgabe scheitert? Aufgabe eins wäre nichtig, wenn ich Camp Sieben vor Einbruch der Nacht zu nahe komme. Auch ohne ein Versteck wird es keine Erfahrungspunkte für diesen Auftrag geben. Der Text erwähnt außerdem kein spezifisches Versteck. Solange also mein Zufluchtsort mich vor den Sinnen der Spinne verbirgt, sollte jede Möglichkeit zählen. Das bedeutet aber wiederum, dass uns unser Weg zum Rauchsignal an keine geeigneten Platz führen wird. Ansonsten könnte ich ja erst nach den Abenteurern suchen und mich danach irgendwo verstecken.
Wenn ich mich für Option eins entscheiden sollte, dann bleiben mir noch 76 Minuten, um einen geeigneten Ort zu finden. Mein Bewegungsspielraum im Wimmerwald ist aber sehr eingeschränkt. Da nur ich diese Mission bekommen habe, wird das System auch keine spektakulären Leistungen erwarten. Selbst mit Sophies Hilfe schaffen wir es nicht zu einem Platz, der einen dreißigminütigen Marsch voraussetzt. Der beste Ort, um nach einem Versteck zu suchen, wäre die nähere Umgebung von Camp Sieben. Jede Spinne im Umkreis von hunderten von Metern nimmt wahrscheinlich gerade die Verfolgung auf. Zurück bleibt dann ein fast unbewohntes Waldstück, in dem man sich mehr oder weniger ungestört nach einem Versteck umsehen kann.
Option zwei hingegen gewährt mir nur dann keine Erfahrung, wenn ich keinen der Abenteurer in Not finde. Für diesen Auftrag scheine ich auch zeitlich erstmal nicht eingeschränkt zu sein. Allerdings finde ich an dieser Aufgabe zwei Sachen merkwürdig. Je mehr Erfahrung es für eine Mission gibt, desto mehr verlangt sie einem auch ab. Jedoch erscheint mir eine größere Gruppe an Abenteurern wesentlich sicherer, als wenn Sophie und ich alleine durch den Wald wandern. Dieser Gedankengang lässt mich vermuten, dass der bevorstehende Kampf am Rauchsignal ein paar äußerst unschöne Überraschungen parat halten könnte. Immerhin bestätigt auch der Missionstext, dass nicht alle überleben werden.
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Die andere Ungereimtheit ist, warum das System die Belohnung pro gefundenen Abenteurer vergibt. Solange man allerdings nicht völlig den Verstand verloren hat, bleibt man immer bei seinem Rettungssignal. Das es aber diese Unterscheidung gibt bedeutet, dass sich nicht alle zu rettenden Personen am gleichen Ort befinden. Vielleicht wurde einer von ihnen häufig gebissen, sodass er oder sie nicht mehr weiterkämpfen konnte. Der Rest drohte in Folge dessen überrannt zu werden, weshalb sie sich zur Flucht gezwungen sahen. Solch eine Betäubung hält stundenlang, weshalb die Tiere erst alle Störenfriede ausschalten werden, bevor man sich dann in Ruhe der Nahrungsaufnahme zuwendet. Seinen Kameraden am Rauchsignal zurückzulassen, wäre also nicht zwangsläufig die schlechteste Idee.
Natürlich ist das nur eine von mehreren Möglichkeiten. Doch je länger wir mit dem Einsammeln der Abenteurer beschäftigt sind, desto mehr Spinnen werden sich uns dabei auch in den Weg stellen. Ständige Kämpfe führen zur Erschöpfung, welche wiederum zu Fehlern führen. Zusätzlich sitzt uns auch noch das schwindende Tageslicht im Nacken. Die letzte Nacht hat mir bereits gereicht um zu wissen, dass hier erst nach Sonnenuntergang die Party so richtig losgeht.
Will ich mein mögliches Überleben wirklich einem Versteck anvertrauen, von dem ich nicht einmal weiß ob es existiert? Wie gefährlich wird unsere Auseinandersetzung mit den Spinnen werden? Können wir überhaupt alle Abenteurer in Not finden oder sind wir am Ende selber diejenigen, welche Hilfe gebrauchen könnten? Ich habe nicht den leisesten Schimmer. Doch es muss eine Entscheidung her, denn ansonsten übernehmen andere diese für mich. Was würden die Abenteurer denn verlieren, wenn ich mich für Aufgabe eins entscheide?
Die Antwort auf diese Frage trifft mich innerlich wie ein Schlag ins Gesicht: Sie würden absolut gar nichts verlieren. Vier halbgare Zauber sind alles, was ich zu dieser Rettungsaktion beitragen kann. Ich kenne weder eine Heil-, noch einen Verstärkungszauber und meine defensive Fertigkeit ist gegen Nahkämpfer nutzlos. Auch habe ich keine Ahnung darüber, wie fähig die Leute um mich herum sind. Können dreißig Abenteurer es im reinen Nahkampf mit zweihundert Spinnen aufnehmen? Wenn ja, was ist dann mit fünfhundert? Wenn es hart auf hart kommt, wird man mir dann zur Seite stehen oder lieber erstmal nach sich und seinen Kameraden schauen? Sophie vertraue ich gerne mein Leben an, doch bei dem Rest sieht das anders aus. Ich hätte gerne mein Schicksal weitgehend selber in der Hand. Wenn dafür ein gutes Versteck nötig ist, dann sollte ich mich wohl besser schleunigst auf die Suche danach begeben.
“Hey… Sophie…vertraust du.. mir?” frage ich sie nach Luft lechzend. Die Kämpferin runzelt die Stirn: “Wie kommst du jetzt auf einmal darauf?'' Ich ignoriere ihre Frage und werde einen Ticken langsamer. “Wir müssen… uns tot stellen….wie letzte Nacht.” Auf die Frage hin, ob ich bereits an meine körperlichen Grenzen angekommen sei, schüttle ich nur den Kopf. Schnell finden wir uns am hinteren Ende der Gruppe wieder. Ich würde wirklich, wirklich gerne vermeiden was gleich passieren wird, doch mir fällt leider auf die schnelle keine bessere Lösung ein.
Mit dem nächsten Schritt versuche ich mich möglichst elegant auf den Boden zu werfen. Sophie versucht noch nach meiner Hand zu greifen, doch schafft es glücklicherweise nicht. Meine Angst, dass die letzten Abenteuer aus Versehen auf mich treten, erweist sich als unbegründet. Die Spinnen wiederum scheinen damit überhaupt kein Problem zu haben. Unzählige Beine und Körper huschen über meinen Körper. Nicht die Nerven verlieren Torben, bloß nicht die Nerven verlieren.
Ich höre auf die Luft anzuhalten. Sie sind endlich weg. Ich kann den Schwarm immer noch laut und deutlich hören, doch die Wimmerspinnen sind nun vorerst nicht mehr mein Problem. Mir läuft ein eiskalter Schauer den Rücken runter, verfluchte Mistviecher. Ich richte mich auf und sehe wenige Meter von mir entfernt Sophie liegen. Meine Güte sieht die Frau sauer aus. Hoffentlich lässt sie mich erst ausreden bevor sie mir an die Kehle springt: “Ich weiß, dass es nicht unbedingt danach aussieht, aber ich habe einen wirklich guten Grund für diese Entscheidung.”
Ich setze gerade zu meiner Erklärung an, als ein Bildschirm in meinem Sichtfeld aufploppt.
Fortschritt bei Mission Verstecken oder Suchen Aufgabe 2 registriert!
Belohnung: 220 Sil, 9.600 Erfahrung
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- In Serial77 Chapters
Long Shadow
No destiny, no choice, no hope. Our protagonist, a coward summoned to a world meant for heroes; a new world with new rules and old cruelties. Join him on his adventures as he must deal with menus, monsters, and mysteries in this litrpg fantasy. Thomas Goodwill was an average boy with an average life, all that changed when he woke up in a new reality. Now, out of his depth, damn near out of his mind, he must learn to survive in a game-like reality with no reloads, checkpoints, or save scumming. He does, however, have a drunk snake. Thank you for reading my first story, hopefully, the first of many to come. This will be my main story and is meant to help me practice and hone my skills as I slowly produce more complex ideas. It's a litrpg in which I want to only lightly focus on the mechanics as I don’t want to pad out the word count with math and number tables and while I want to add a few of my own twists here and there, overall I’m going to keep this story close to generic as possible so that I don't let my inexperience lead me into a corner. Thanks again to all willing to leave a review or some constructive criticism, without you I'd never improve. Unfortunately, Cover art is by me.
8 554 - In Serial7 Chapters
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